{"id":445,"date":"2018-11-19T20:34:30","date_gmt":"2018-11-19T18:34:30","guid":{"rendered":"http:\/\/laenderkenner.de\/?p=445"},"modified":"2018-12-26T23:43:26","modified_gmt":"2018-12-26T21:43:26","slug":"casa-particulares-privatunterkuenfte-kuba-reisen-ohne-handy","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/laenderkenner.de\/index.php\/2018\/11\/casa-particulares-privatunterkuenfte-kuba-reisen-ohne-handy\/","title":{"rendered":"Offline durch Kuba"},"content":{"rendered":"<p>Es war einmal vor langer Zeit, da lebten die Menschen auf der Erde und besa\u00dfen kein Mobiltelefon. Au\u00dferdem gab es damals auch kein weltumspannendes Internet und keine Digitalfotografie. Um sich als Fremder an einem unbekannten Ort zu orientieren, besa\u00df man einen Reisef\u00fchrer &#8211; immerhin schon in 3D und Farbe. Man nannte ihn Buch. Um von A nach B zu kommen, fragte man die Einheimischen in ihrer Sprache und ohne Translator \u2013 mit H\u00e4nden, F\u00fc\u00dfen sowie einem L\u00e4cheln. Das waren verr\u00fcckte Zeiten damals. Aber was noch viel verr\u00fcckter war: Die Menschen kamen tats\u00e4chlich an ihr Ziel. Sie schliefen in Unterk\u00fcnften ohne Air BnB, sie fanden die n\u00e4chste Eckkneipe ohne Yelp, und das Essen schmeckte trotzdem. Sie fanden sogar in die \u00f6rtlichen Clubs ganz von allein, ohne Instagram, und kein Influenzer sagte ihnen, dass diese Disko voll hip ist. Echt verr\u00fcckt damals.<!--more--><\/p>\n<p>Ein bisschen sehnten wir uns nach diesen Zeiten zur\u00fcck, als wir beschlossen, nach Kuba zu reisen. Sechs Wochen wollten wir ohne Handy unterwegs sein, wollten uns treiben lassen von Tipps und Empfehlungen der Einheimischen. Ganz ohne Google Maps und Apps.<\/p>\n<p>Prinzipiell eignet sich Kuba f\u00fcr dieses Vorhaben sehr gut, denn es gibt kein mobiles Internet&nbsp; auf der Insel, deswegen muss man f\u00fcr eine Verbindung immer zu einem W LAN-Hotspot. Daf\u00fcr gibt es anderes gut funktionierendes Netzwerk, welches man beim Verreisen nutzen kann, n\u00e4mlich das&nbsp; \u201eCasa-particular-offline-Network\u201c ( kurz CpoN). Dies bedeutet, dass man getrost davon ausgehen kann, dass der eine Besitzer eines Casas im n\u00e4chsten geplanten Reiseziel ein anderes gutes Casa kennt, dieser wiederum kennt in der \u00fcbern\u00e4chsten Destination jemanden, und der wiederum und so weiter und so weiter\u2026<\/p>\n<h2>Kann man sich darauf verlassen?<\/h2>\n<p>Ja! Dass das Network funktioniert, hat folgenden Grund: Die Casabesitzer profitieren davon, wenn sie ihre G\u00e4ste weiterempfehlen, denn der andere Vermieter schickt seine G\u00e4ste ebenfalls weiter. Je mehr G\u00e4ste man vermittelt, umso mehr bekommt man. Die so vermittelten Reisenden springen nicht ab und sind au\u00dferdem vertrauensw\u00fcrdige Kundschaft. Auch werden sie bis vor die Haust\u00fcr gefahren \u2013 es ist also eine klassische Win-win-Situation.<\/p>\n<p>Wer Land und Leute kennenlernen will, der hat auf diese Art und Weise die besten M\u00f6glichkeiten, mit Kubanern ins Gespr\u00e4ch zu kommen und sich ein Bild vom Leben in Kuba zu machen. &nbsp;<\/p>\n<p>Wir starteten unseren Trip in Havanna bei <em>Landy<\/em> und hatten mit seinem Marys House gleich einen Volltreffer gelandet. Sein Casa war zwar nicht mehr particular, sprich das ganze Haus war ein G\u00e4stehaus, doch nach der anstrengenden Anreise war es sehr angenehm, ein bisschen Platz f\u00fcr sich und Ruhe zu haben. Jeden Morgen wurde uns von der sehr netten Johanna ein Fr\u00fchst\u00fcck auf der Dachterrasse des Hauses serviert, und mit ihr plauderten wir oft mehrere Stunden. So erfuhren wir viel \u00fcber das Leben in Kuba und bekamen erstklassige Restauranttipps. Au\u00dferdem befand sich das Casa direkt im Zentrum nahe dem Capitolio, so dass man getrost nachts zu Fu\u00df unterwegs sein konnte. Da wir mit<em> Landy<\/em> happy waren, lie\u00dfen wir uns von ihm weiter nach Vinales vermitteln, zu Idisbel und Kirenia. Auch Idisbel war eine supernette Gastgeberin. Hier schauten wir mit der Familie Fu\u00dfball und genossen erstklassige Fr\u00fchst\u00fccke. Allerdings hatten wir hier das Gef\u00fchl, unbedingt bei unserer Gastgeberin alles buchen zu m\u00fcssen, da sie sehr am Verkaufen von Touren etc. interessiert war. Aber auch sie besorgte uns eine g\u00fcnstige Unterkunft in Trinidad. Und die war mit Abstand die famili\u00e4rste. Wir wohnten bei <em>\u201eLas Terrasas de Martha\u201c<\/em>. Das Rentnerehepaar vermietete zwei Zimmer ihres H\u00e4uschens. Abends weckten wir sie, wenn wir nach Hause kamen, da der Fernseher im Eingangsbereich des Hauses stand, und beinahe jeden Abend schlief einer der beiden vor seinem Lieblingsprogramm. Beim Fr\u00fchst\u00fcck, ebenfalls auf der Dachterrasse, begr\u00fc\u00dfte uns die Katze, wir liehen uns beim Nachbarn R\u00e4der aus und schnatterten mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen mit diesen liebensw\u00fcrdigen Menschen. Uns gefiel es so gut hier, dass wir statt der geplanten drei Tage ganze f\u00fcnf blieben. Zum Abschied standen unseren beiden Gastgebern die Tr\u00e4nen in den Augen, und wir bekamen sogar noch kleine Geschenke.<br \/>\nUnd Martha vermittelte uns weiter in das beste Haus am Platz in Playa Giron. Bei <em>\u201eLuis y Marley\u201c<\/em> hatten wir f\u00fcr schlappe 25 CUC pro Nacht (ca. 22,50 Euro) ein Doppelappartement mit Terrasse. Dieses Casa war schon fast ein Hotel. Doch auch hier waren die Gespr\u00e4che mit Angestellten superinformativ und wir wurden sogar zu einer Beachparty eingeladen, die wir gerne besuchten.\u00ad &nbsp;<\/p>\n<p>In Playa Giron riss die Vermittlerkette allerdings. Doch die Angestellten telefonierten sich f\u00fcr uns durch den Lonely Planet, so dass wir auch so eine Unterkunft bei der wundervollen &#8222;<em>Kirenia&#8220;<\/em> im benachbarten Playa Larga fanden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_449\" aria-describedby=\"caption-attachment-449\" style=\"width: 1500px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/laenderkenner.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/2018-Juli-23-07-21-Cubanama.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-449\" src=\"http:\/\/laenderkenner.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/2018-Juli-23-07-21-Cubanama.jpg\" alt=\"\" width=\"1500\" height=\"1125\" srcset=\"https:\/\/laenderkenner.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/2018-Juli-23-07-21-Cubanama.jpg 1500w, https:\/\/laenderkenner.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/2018-Juli-23-07-21-Cubanama-300x225.jpg 300w, https:\/\/laenderkenner.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/2018-Juli-23-07-21-Cubanama-768x576.jpg 768w, https:\/\/laenderkenner.de\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/2018-Juli-23-07-21-Cubanama-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1500px) 100vw, 1500px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-449\" class=\"wp-caption-text\">Solch ein wundersch\u00f6nes Fr\u00fchst\u00fcck bekommt man \u00fcberall in Kuba in jedem Casa! \ud83d\ude42<\/figcaption><\/figure>\n<h2>Was hat uns der Verzicht gebracht?<\/h2>\n<p>Im Gegensatz zu vielen Reisenden verbrachten wir unsere Zeit nicht damit, aufs Handy zu starren. Wir waren nicht st\u00e4ndig auf der Suche nach einem WLan Hotspot. Und wir konnten gar nicht erst permanent anderen mitteilen, wie geil und cool das gerade ist, was wir machen. Wir suchten uns die Restaurants allein nach unserem Gutd\u00fcnken aus. Da ist man zwar vor Reinf\u00e4llen nicht gefeit, daf\u00fcr bekamen wir immer einen Platz, entdeckten wundersch\u00f6ne Ecken und quetschten uns nicht mit dutzenden Reisenden in eine bestimmte Bar, die ja ach so hip sein musste. Wir hatten das Gef\u00fchl, viel Zeit zu haben, konnten B\u00fccher lesen und bemerkten, dass die Welt nicht untergeht, wenn man mal sechs Woche offline ist. Zwei Mails an die Daheimgebliebenen und ein paar Postkarten tun es auch.<\/p>\n<p>Verpasst haben wir durch diese Art zu reisen nichts. Ich glaube, wir haben eher gewonnen \u2013 mehr&nbsp; Menschen kennenlernt, andere Orte gesehen als die meisten und haben viel vom kubanischen Leben mitbekommen dank displayunbehinderter Sicht.<\/p>\n<p>PS: Ein Problem gab es aber tats\u00e4chlich. Aus Ermangelung eines Handys waren wir gezwungen, uns Telefonnummern und E-Mail-Adressen der Leute aufzuschreiben, die wir trafen. Leider fehlte oft ein Stift, so dass wir nur unsere Nummern hinterlassen konnten. \u201eJa cool, wir melden uns, bleiben Freunde auf Facestagram\u2026\u201c Niemand hat sich gemeldet, und einige Verabredungen gingen an uns vor\u00fcber, weil wir kein Whatsapp hatten. Wunderbar geklappt hingegen hat eine Verabredung in Havanna frei nach dem Motto: \u201eIn unserer Stammkneipe nach dem Krieg um sechs\u201c. Geblieben ist uns der Kontakt zu einem netten franz\u00f6sischen Hippiep\u00e4rchen. Wir schrieben uns unsere E-Mail-Adressen in die Notizb\u00fccher. Jetzt tauschen wir Fotos und wollen uns besuchen. Nein, verpasst haben wir wirklich nichts! \ud83d\ude42<\/p>\n<p><strong><em>PS: Wenn ihr Kontakte zu den genannten Gastgebern wollt oder Kontakt zu weiteren Gastgebern sucht, dann schreibt mir kurz in den Kommentaren.<\/em><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war einmal vor langer Zeit, da lebten die Menschen auf der Erde und besa\u00dfen kein Mobiltelefon. 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