{"id":367,"date":"2018-10-27T15:54:23","date_gmt":"2018-10-27T13:54:23","guid":{"rendered":"http:\/\/laenderkenner.de\/?p=367"},"modified":"2018-11-01T19:27:23","modified_gmt":"2018-11-01T17:27:23","slug":"taxi-fahren-kuba-erlebnisbericht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/laenderkenner.de\/index.php\/2018\/10\/taxi-fahren-kuba-erlebnisbericht\/","title":{"rendered":"Taxi, my Friend?"},"content":{"rendered":"<p>Die Frage \u201eTaxi, my Friend\u201d oder \u201eTaxi, Amigo?\u201d h\u00f6rt wohl jeder Kubareisende mehrmals t\u00e4glich. Meist reicht ein freundliches \u201eNo, gracias\u201c, und man hat seine Ruhe bis zur n\u00e4chsten Ecke, denn dort steht ein weiterer Oldtimer samt Fahrer bereit. Manchmal erwecken die Jungs auch den Eindruck, die Frage rein aus Reflex stellen zu m\u00fcssen, wenn ein Tourist vorbeil\u00e4uft. Einige gehen so schnell weiter, dass man gar nicht den Mund aufbekommt, um zu antworten. Doch braucht man tats\u00e4chlich ein Taxi, ergeht es einem wie im Film \u2013 weit und breit ist keines zu bekommen.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Preis vorher verhandeln und nachfrage<\/strong><strong>n<\/strong><\/p>\n<p>Wie immer habe ich hinten Platz auf der R\u00fcckbank genommen, da die Frau meiner Tr\u00e4ume von extremer Reisekrankheit geplagt wird, darf sie vorne sitzen. Ob unser freundlicher Hinweis, den wir (HaHa) im gebrochenem spanisch und mit H\u00e4nden auf dem Bauch sowie einer \u00dcbelkeitsparodie dem Fahrer gegeben haben, tats\u00e4chlich angekommen ist, fragen wir uns jedes, auch dieses Mal. Es geht von Vinales nach Maria la Gorda. Laut intensiver Recherche ist das ein Trip von ungef\u00e4hr drei bis vier Stunden mit dem Taxi, der uns zum westlichsten Punkt von Kuba f\u00fchrt. Die Fahrt kostet 35 CUC, was dem \u00fcblichen Rahmen von 10 CUC pro gefahrener Stunde entspricht. Am besten ist es, wenn man sich von seinem casa particular ein Taxi organisieren l\u00e4sst. Der Preis ist meistens o.k., es gibt keine Nachverhandlungen, und das Taxi ist meist zehn Minuten fr\u00fcher da als bestellt. Au\u00dferdem ist das einfacher, als auf der Stra\u00dfe ein Taxi zu finden und den Preis zu verhandeln.<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n<p>Joseph spricht wie die meisten Taxifahrer nur wenig Englisch, aber mit H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen gelingt doch immer mal eine kurze Konversation. \u201eMucho tr\u00e0fico hoy?\u201c, \u201eSi, mucho\u201c, \u201e\u00bfDe d\u00f3nde eres?\u201c, \u201eAlemania\u201c \u201eAh bueno\u201c usw\u2026. &nbsp;Au\u00dferdem f\u00e4hrt Joseph wie eine besengte Sau. Er ist nicht der erste und zum Gl\u00fcck nicht der letzte Taxifahrer, den wir kennenlernen d\u00fcrfen. Ich habe Schwei\u00dfausbr\u00fcche. Man muss, wenn man in Kuba unterwegs ist, mit allem rechnen. Hier ist grunds\u00e4tzlich alles auf den Stra\u00dfen unterwegs was, R\u00e4der oder Beine oder beides hat: Fu\u00dfg\u00e4nger, Fahrradfahrer, Reiter, Kutschen, Fahrradrikschas, Lkw`s, Busse, Motorr\u00e4der, E-Roller, Oldtimer, Kinder, K\u00fche, Fu\u00dfg\u00e4nger und Autos. Das gilt nicht nur f\u00fcr den innerst\u00e4dtischen Verkehr, sondern auch f\u00fcr die einzige Autobahn \u2013 die autopista national.<\/p>\n<p>Zudem scheint Joseph heute unbedingt versuchen zu wollen, mit seinem Chevrolet, Baujahr 1955, abzuheben. Sowie die Stra\u00dfe frei ist, dr\u00fcckt er aufs Pedal und holt aus dem Boliden alles raus, was geht. Dieses Verlangen nach Geschwindigkeit muss man hier anscheinend bei der Taxischeinpr\u00fcfung nachweisen, denn Joseph ist mit seinem Fahrstil wei\u00df Gott nicht der einzige. Trotz alledem &#8211; die &nbsp;Schlagl\u00f6cher umfahren wir auf geheimnisvolle Weise, aber dennoch schaue ich lieber auf den kleinen Monitor des Autoradios, weil ich mir Sorgen um meine Gesundheit mache. &nbsp;<\/p>\n<p><strong>Musik und Soundsystem<\/strong><\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist Kuba ein Land der Musik. Salsa, Rumba, Son und Reggaeton prasseln quasi permanent auf einen ein. Eine nicht unerhebliche Rolle spielen dabei die Taxifahrer. Ob hinten auf einer Rikscha, im Kofferraum oder sogar auf der Kutsche. Der meist m\u00e4nnliche kubanische Chauffeur liebt sein Soundsystem. Es scheint nach den Frauen und dem Rum sein drittliebstes Hobby zu sein. In manchen Taxen hatten unsere Rucks\u00e4cke kaum Platz im Kofferraum, weil der Subwoofer gut die H\u00e4lfte des Volumens f\u00fcr sich in Anspruch nahm. Standard in allen Gef\u00e4hrten ist ein kleiner Monitor. Musik wird in Kuba von USB-Stick zu USB-Stick gereicht und vor allen Dingen in Videoclipform. So kommt man &nbsp;in den Genuss eines Videoausfluges in die lateinamerikanischen Reggaetoncharts oder zu einer Reise zum Buena Vista Social Club, oder es geht zur\u00fcck in die 80er-Jahre \u2013 alles erlebt, w\u00e4hrend ich mir mit Schwei\u00dfperlen auf der Stirn die R\u00fcckbank mit Eenie und Marjaa aus Holland teilte und insgeheim betete, dass die Fahrt bald zu Ende sein m\u00f6ge.<\/p>\n<p><strong>Verkehrsregeln \u2013 welche Verkehrsregeln?<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend sich im innerst\u00e4dtischen Verkehr alle irgendwie nach Regeln bewegen, herrscht auf Landstra\u00dfen und der einen Autobahn sowie ihren Zubringern fr\u00f6hliche Anarchie \u2013 zumindest, wenn man deutsche Autobahnen gewohnt ist. Man\u00f6ver, wie Wenden mitten auf Stra\u00dfe oder Autobahn, das \u00dcberqueren des Mittelstreifens, Anhalten mit dem E-Roller auf dem Mittelstreifen um zu telefonieren, Falschfahren mit dem Fahrrad, wahllose Kreuzungen auf dem Highway, auf dem Seitenstreifen oder der Stra\u00dfe weidende Tiere \u2013 es gibt in Kuba nichts, was es nicht gibt. Aber niemand st\u00f6rt sich daran. Joseph bremst f\u00fcr jeden Hund von 100 km\/h auf Schritttempo, ohne sich zu \u00e4rgern. Ein Pferdfuhrwerk wird ohne Murren vorbeigelassen, und den Ladys wird fr\u00f6hlich zugewinkt. Man hilft sich gegenseitig, indem man auf eiernde R\u00e4der hinweist, und h\u00e4lt an, wenn das betagte Mobilum eines anderen eine Panne hat. Ob diese f\u00fcr alle europ\u00e4ischen Touristen haarstr\u00e4ubenden Man\u00f6ver erlaubt sind, war nicht herauszubekommen.<\/p>\n<p>Wenn es Regeln gibt, dann die eines gemeinsamen Miteinanders. Das Unterwegssein ist in Kuba ein gesamtgesellschaftliches Erlebnis und keine Erf\u00fcllung eines individuellen Traums vom Fahren. Da es zu wenige Autos gibt, wird alles zum Gef\u00e4hrt gemacht, was geht. LKW`s oder Busse fahren die l\u00e4ngeren Strecken, die Taxen kacheln die Touris umher, die Rikscha, die Kutsche und das Fahrrad sind f\u00fcr die kurzen Wege zu nutzen. Au\u00dferdem ist Trampen notwendiger Volkssport. \u00dcberall h\u00e4lt man den Daumen samt Geldschein raus, und meist wird man schnell eingesammelt. Da niemand lange warten m\u00f6chte, wenn man gezwungen ist zu trampen, nimmt der Kubaner gerne andere Menschen mit, in der Hoffnung, dass vielleicht der Mitgenommene das n\u00e4chste Mal ein Auto hat.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem schauen alle auf die Stra\u00dfe und sich gegenseitig an &#8211; es wird gehupt, gewunken und Ola gerufen, so geht keiner verloren oder im Gewusel unter. Auf den ersten Blick wirkte das alles sehr chaotisch, doch nach einer Weile scheint es trotz seines Archaismus wesentlich zukunftsf\u00e4higer als unsere westliche Art, den Verkehr zu regeln. Warum? Wenige Autos transportieren viele Menschen. Es braucht kaum Parkpl\u00e4tze, weil die Autos auf der Stra\u00dfe fahren, statt dumm rumzustehen. Es gibt f\u00fcr jedes Bed\u00fcrfnis das passende Fortbewegungsmittel, das man ruft, wenn man es braucht. Eigentum wird geteilt und ist f\u00fcr alle da. Klingt wie modernes Carsharing, oder nicht? Einen Unfall haben wir in Kuba \u00fcbrigens auf den \u00fcber 1000 Kilometern, die wir zur\u00fccklegten, nicht gesehen.<\/p>\n<p>PS: Joseph brauchte nur drei statt dreieinhalb Stunden nach Maria la gorda und war sehr stolz darauf!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Frage \u201eTaxi, my Friend\u201d oder \u201eTaxi, Amigo?\u201d h\u00f6rt wohl jeder Kubareisende mehrmals t\u00e4glich. Meist reicht ein freundliches \u201eNo, gracias\u201c,&hellip;<\/p>\n<div class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/laenderkenner.de\/index.php\/2018\/10\/taxi-fahren-kuba-erlebnisbericht\/#more-367\" class=\"more-link\">Continue reading &#10142; <span class=\"screen-reader-text\">Taxi, my Friend?<\/span><\/a><\/div>","protected":false},"author":2,"featured_media":371,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_mo_disable_npp":"","ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-367","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","blog_design-has-thumbnail"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/laenderkenner.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/367","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/laenderkenner.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/laenderkenner.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laenderkenner.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laenderkenner.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=367"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/laenderkenner.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/367\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":416,"href":"https:\/\/laenderkenner.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/367\/revisions\/416"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/laenderkenner.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/371"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/laenderkenner.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=367"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/laenderkenner.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=367"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/laenderkenner.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=367"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}