{"id":297,"date":"2018-09-01T19:32:14","date_gmt":"2018-09-01T17:32:14","guid":{"rendered":"http:\/\/laenderkenner.de\/?p=297"},"modified":"2018-11-01T19:33:53","modified_gmt":"2018-11-01T17:33:53","slug":"free-riga-tour-stadtfuehrung-einheimische","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/laenderkenner.de\/index.php\/2018\/09\/free-riga-tour-stadtfuehrung-einheimische\/","title":{"rendered":"Geheimzeichen in Riga: Gelber Koffer"},"content":{"rendered":"<p>Ein St\u00e4dtetrip zeichnet sich oft dadurch aus, dass man in Stra\u00dfen und Gassen umher wandelt, um sie zu entdecken. Mit Stadtplan durch die Gegend zu laufen, ist uncool; mit dem Handy in der Hand verpasst man die besten Momente. Eine gef\u00fchrte Tour kann oft langwierig und \u2013weilig sein. Nicht so, wenn ihr in Riga einen gelben Koffer seht.<\/p>\n<p>Vor der Reise im Internet gegoogelt, stie\u00df ich auf die in Englisch gef\u00fchrte \u201eFree Riga Tour\u201c. Man sollte sich zu einem bestimmten Zeitpunkt, wechselnd nach Jahreszeit, vor der St. Peters Kirche einfinden. Diese liegt im Zentrum der Altstadt und ist daher nicht zu verfehlen. Dort w\u00fcrde jemand mit einem gelben Koffer stehen, um die sich bildende Gruppe abzuholen. Vor der Kirche angekommen, waren wir zuerst leicht verwirrt \u2013 hier standen mehrere Personen, die eine F\u00fchrung anboten. Und mehrere Leute schlichen um die Kirche, suchten Blicke und wussten nicht so recht, zu wem sie sich stellen sollten. Als h\u00e4tten alle einen geheimen Code ausgemacht, wurden die Schritte zielstrebig beschleunigt, als jemand mit einem gelben Koffer auf den Platz kam. In unserem Fall waren der sehr zu empfehlende Caspars und Linda die Guides. Die Gruppe war so gro\u00df, dass sie zuerst in zwei Teile differenziert wurde. Auf die Frage, was denn typisch f\u00fcr Lettland sei, konnten weder Schweden oder Amerikaner, noch Kanadier, Portugiesen oder Deutsche etwas antworten. Dies galt es in den n\u00e4chsten zwei Stunden zu \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Der Weg sollte uns relativ schnell aus der Altstadt hinaus f\u00fchren, denn: \u00dcber diese w\u00fcrde dauernd geredet werden, doch war sie fast nur ein Bildnis f\u00fcr die Touristen. Au\u00dfer an der Statue der Bremer Stadtmusikanten, tats\u00e4chlich ein Geschenk aus Bremen in den 90er-Jahren, k\u00f6nnte man hier wenig \u00fcber die Stadt erfahren \u2026 Die Verbindung zu Deutschland wurde jedoch gleich erkl\u00e4rt: Das Gebiet um Riga bestand fr\u00fcher aus Fischerd\u00f6rfchen, die B\u00e4ume und Steine anbeten und wurde im Mittelalter von deutschen Kreuzfahrern zur Handelsstadt mit strategischer Lage kolonialisiert. Was daraus h\u00e4ngen blieb, ist das Bier. Unsere Stationen waren durchaus touristische Ziele, aber vor allem auch Viertel, die auf den ersten Blick unscheinbar sind, f\u00fcr einen Local aber durchaus Bedeutung haben. So liefen wir \u00fcber den Centralmarkt mit seinen f\u00fcnf Hangern und h\u00f6rten Caspars zu, wie enthusiastisch er \u00fcber die regionale K\u00fcche und die Liebe zu Fischen&nbsp; sprach. Weiter ging es zum \u201eRussenviertel\u201c, in welchem er uns die Sensibilit\u00e4t des Themas der sowjetischen Besatzung nach dem Zweiten Weltkrieg erkl\u00e4rte und was das heute noch mit der Bev\u00f6lkerung macht. Am Hauptbahnhof entlang zur Akademie der Wissenschaften konnten wir sp\u00fcren, wie Lettland \u2013 speziell Riga \u2013 mit sich selbst hadert, da es in der Geschichte st\u00e4ndig besetzt und fremden Einfl\u00fcssen ausgeliefert war. Wussten wir durch die wankende eigene Identit\u00e4t so wenig \u00fcber das Land?<\/p>\n<p>Enden sollte unsere F\u00fchrung am Freiheitsdenkmal. So zentral, dass jeder wieder seine Orientierung fand. Aus den geplanten zwei Stunden wurden drei. Weil Caspars voller Herzblut von seiner Stadt sprach, sie uns witzig und informativ n\u00e4her brachte und immer Fragen gestellt werden konnten, wenn man das wollte. \u201eFree Tour\u201c bedeutet in diesem Falle, dass am Ende der Wunsch zu einer Spende bestand, denn nur so verdiene sich der Guide und die Organisation sein Geld. Gerne z\u00fcckten auch wir die Scheine, da&nbsp; diese drei Stunden wirklich zu den besten w\u00e4hrend eines St\u00e4dtetrips jemals z\u00e4hlten.<\/p>\n<p><strong>Weitere Empfehlung: \u201eRiga Culture Free Tour\u201c, Treffpunkt: Rainis Monument<\/strong><\/p>\n<p>Empfehlungen f\u00fcr die St\u00e4rkung davor\/danach: Pagalms (idyllischer Freisitz f\u00fcr den kleinen Hunger direkt am Kanal mit ausgew\u00e4hlten selbstgemachten Speisen), Rozengrals (mittelalterlicher Keller mit Speisen wie vor 500 Jahren f\u00fcr einen besonderen Trip in die Geschichte)<\/p>\n<p><em>(Text: Anne-Marie Holze)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein St\u00e4dtetrip zeichnet sich oft dadurch aus, dass man in Stra\u00dfen und Gassen umher wandelt, um sie zu entdecken. 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