{"id":15,"date":"2014-08-05T15:08:16","date_gmt":"2014-08-05T13:08:16","guid":{"rendered":"http:\/\/laenderkenner.de\/?p=15"},"modified":"2018-11-26T19:34:39","modified_gmt":"2018-11-26T17:34:39","slug":"randonnee-en-vercors-mit-dem-rad-in-frankreich-unterwegs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/laenderkenner.de\/index.php\/2014\/08\/randonnee-en-vercors-mit-dem-rad-in-frankreich-unterwegs\/","title":{"rendered":"Randonn\u00e9e en Vercors &#8211; Mit dem Rad in Frankreich unterwegs"},"content":{"rendered":"<p>Schwei\u00df\u00fcberstr\u00f6mt, aber stolz wie Bolle, passieren wir das Ortseingangsschild <em>Lans en Vercors<\/em>. Hier auf etwa 1000 H\u00f6henmeter fahren im Winter die Touristen Ski und Snowboard. Doch jetzt im sp\u00e4tsommerlichen September ist die Gegend einfach hervorragend geeignet, um mit Fahrrad und Gep\u00e4ck, Natur und K\u00fcche der franz\u00f6sischen Voralpen zu erkunden.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>In <em>Sassenache<\/em> \u2013 etwa 1057 H\u00f6henmeter tiefer und knapp zweieinhalb Stunden vorher \u2013 meinte mein Mitfahrer noch zu mir: \u201eIss lieber noch ein St\u00fcck Schokolade, der Aufstieg wird lang.\u201c Da hatte er nicht Unrecht, denn mit etwa 20 Kilogramm Gep\u00e4ck fahren sich die acht bis zehn Prozent Steigung tats\u00e4chlich etwas schwerer. Doch nicht nur die anerkennenden Blicke der best\u00e4ndig an uns vorbei ziehenden Rennradler geben geh\u00f6rig Kraft in die Beine, auch die letzten Tage halfen da schon gewaltig. Um ins <em>Vercors<\/em> zu kommen, das s\u00fcdlich von <em>Grenoble<\/em> liegt, schlugen wir uns n\u00e4mlich von <em>Bellegarde-sur-Valserine<\/em> nach <em>Sesseyle<\/em> und von dort ins <em>Chartreuse<\/em> nach <em>Saint-Laurent-du-Pont<\/em> durch. Das waren dann schon mal 120 Kilometer und 1600 H\u00f6henmeter in zwei Tagen.<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n<p>Um jedoch \u00fcberhaupt erst einmal franz\u00f6sische Luft zu schnuppern, ging es zuvor mit dem Zug von <em>Halle<\/em> nach <em>Genf<\/em>. Nach reiflicher \u00dcberlegung war dies die beste Variante, um mit R\u00e4dern und Gep\u00e4ck nach Frankreich zu kommen. Zwar ist Frankreich mit \u00fcber 75 Millionen Besuchern j\u00e4hrlich das am h\u00e4ufigsten bereiste Land der Welt. Doch ist eine Reise hierher, soll sie denn mit Veloziped und ohne eigenes Auto stattfinden, mit erheblichen Abenteuern verbunden. So gibt es eigentlich nur einen verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig bequemen Weg, ohne gro\u00df umsteigen zu m\u00fcssen, in die Schweiz und damit an die franz\u00f6sische Grenze zu kommen. Und das ist der City Nightliner nach <em>Basel<\/em>. Von hier aus geht es dann per Regionalbahn nach <em>Genf<\/em>. Doch kaum verl\u00e4sst man die ordentliche Schweiz, beginnt auch schon das Abenteuer. Da kann es durchaus einmal vorkommen, dass man mit voll bepackten R\u00e4dern am Gleis steht und die Regionalbahn erst Versp\u00e4tung meldet und dann komplett ausf\u00e4llt. Gl\u00fcck hat derjenige, der mit etwa vierhundert Pendlern in einen TGV steigen darf und dort von Abteil zu Abteil gescheucht wird, weil die Schaffner nicht wissen, wo man die Drahtesel in einem franz\u00f6sischen Schnellzug unterbringen soll.<\/p>\n<p>Doch hat man diese Erfahrung unbeschadet \u00fcberstanden, erwartet den frankophilen Radreisenden la France pure: Innerhalb der ersten drei Tage passierten wir auf schmalen Stra\u00dfen, die sich serpentinenartig durchs Gebirge winden, herrliche Schluchten, kleine Tunnel, saftige Wiesen und malerische Orte wie zum Beispiel <em>Chanaz<\/em>, direkt an einem Kanal an der Rh\u00f4ne gelegen. In der sich eng an den Berg schmiegenden Altstadt mussten wir einfach f\u00fcr einen Caf\u00e9 au lait halten und einen kleinen Spaziergang durch schmale Gassen und vorbei an moosgr\u00fcnen Mauern einlegen. Bei dieser Gelegenheit fiel mir \u2013 und das bei jedem Frankreichurlaub wieder aufs Neue \u2013 ein wesentlicher kultureller Unterschied auf: die Toiletten. Muss man sich im S\u00fcden Frankreichs tats\u00e4chlich erst einmal daran gew\u00f6hnen, dass der Toilettengang entweder auf einem Becken ohne Brille oder gar im Hocken endet. Die mediterrane Hocktoilette besteht n\u00e4mlich aus einem Keramik-Viereck, welches durch zwei herausgehobene Fu\u00dfabdr\u00fccke gerahmt ist und an deren oberem Ende ein Loch mittig klafft. Hier muss man gut treffen und darf keine Probleme mit dem Gleichgewicht haben. Wikipedia nennt \u00fcbrigens als Vorteil der mediterranen Hocktoilette, dass sie weniger zum Verweilen einlade \u2013 das stimmt. Au\u00dferdem sollte man schnurstracks nach dem Sp\u00fclen den Raum verlassen, da er komplett geflutet wird \u2013 das hilft der Reinlichkeit, macht bei nicht geschulten Toiletteng\u00e4ngern jedoch best\u00e4ndig nasse F\u00fc\u00dfe.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich sollte <em>Chanaz <\/em>sollte nicht der letzte Zwischenstopp in einem der herrlich-kleinen D\u00f6rfer sein, die wir auf unserer Rundreise zwischen den Gebieten <em>Savoie<\/em>, <em>Chartreuse<\/em>, <em>Vercors <\/em>und <em>Dr\u00f4me <\/em>passierten.<\/p>\n<p>Kurz hinter dem <em>Vercors<\/em> in Richtung S\u00fcden, in der N\u00e4he der seicht dahinflie\u00dfenden <em>Dr\u00f4me,<\/em> lie\u00dfen wir uns bei sp\u00e4tsommerlichen Temperaturen von Ortschaft zu Ortschaft auf kleinen Stra\u00dfen leiten, die sich \u2013 ges\u00e4umt von Sonnenblumenfeldern \u2013 durch die Landschaft schl\u00e4ngelten. Auf unserer Route in Richtung <em>Crest<\/em> stach <em>Bourdeaux<\/em> als besonders sch\u00f6ner Aufenthalt hervor. Das mittelalterliche St\u00e4dtchen mit seinen sich einen Berg hochwindenden Steinh\u00e4usern und der oben thronenden Kirchenglocke l\u00e4dt einfach zum Verweilen ein. Doch ist es nicht nur der Blick in die Landschaft und die Lavendelfelder, die im Sommer die Stadt komplett in ihren Duft einh\u00fcllen, nein, es war der \u00f6rtliche Fleischer, der es uns angetan hatte. Im Unterschied zu Deutschland hat dieser \u2013 wie viele Fleischereien in Frankreich \u2013 viel weniger Schnittwurst. Ein Gl\u00fcck, denn es lachen einen weder B\u00e4rchenwurst noch sonst eine Verniedlichung von Fleisch an der Theke entgegen. Daf\u00fcr gibt es hier viel mehr an eigens vorbereiteten Gerichten \u2013 von verschiedensten Pasteten \u00fcber Farce und S\u00fclze bis hin zu gebratenen H\u00fchnern, gef\u00fcllten Tomaten und und und\u2026 ein Gedicht!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach <em>Dieulefit <\/em>nahmen wir die Route \u00fcber <em>Crest<\/em> wieder zur\u00fcck ins <em>Vercors<\/em> in Richtung Norden \u00fcber <em>St. Jean en Royans<\/em> und <em>St. Genix sur Guieres <\/em>nach <em>Seyssel <\/em>an der Rh\u00f4ne. Die Landschaft wechselte jeden Tag. Mal schien es uns, als seien wir in den bayerischen Alpen, mal \u00e4hnelten Berge und Ortschaften den <em>Alpujarras<\/em> im s\u00fcdlichen Spanien und dann vermittelten Weinberge und franz\u00f6sische Caf\u00e9s wieder la vie en France. Eine der spektakul\u00e4rsten Ausblicke der Reise bildete der <em>Col de la Machine<\/em>, der durch sein abgebrochenes Felsmassiv einen Blick ins Tal nach <em>St. Jean en Royan<\/em> freigibt und atemberaubend ist. Das dachten sich wohl auch die st\u00e4dtischen Tourismusb\u00fcros und haben eine Stra\u00dfe gebaut, die sich eng am Fels entlang schl\u00e4ngelt. Sie markiert allerdings nichts weiter als einen Rundweg. Klar, dass dieser gerade bei Rennradfahrern beliebt ist. Nach einem solchen Ausblick schmeckt ein Pastis im nachmitt\u00e4glichen Sonnenschein \u00fcbrigens am allerbesten. Das ist es wohl, was die Franzosen meinen, wenn sie auf Schildern zum \u201eRandon\u00e9e en Vercors\u201c einladen\u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Steckbrief Radreise:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Dauer: zweieinhalb Wochen<\/li>\n<li>Entfernung: ca. 1000 Kilometer<\/li>\n<li>H\u00f6henmeter: 10.000<\/li>\n<li>Charakter: je nach Interesse leicht oder st\u00e4rker bergig, warm, ruhige Stra\u00dfen in den Bergen<\/li>\n<li>Sehensw\u00fcrdigkeiten: best\u00e4ndig wechselnde Landschaft, herrliche Schluchten, imposante Ausblicke und verwunschene, zum Teil mittelalterliche Ortschafte<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Route:<\/strong><\/p>\n<p>Start: Leipzig &#8211; Basel &#8211; Genf &#8211; Bellegarde. Startort in Fr.: Seyselle. Zwischenstationen: Lac de Aiguebelette &#8211; Lans en Vercors &#8211; Die &#8211; Bourdeaux &#8211; Crest &#8211; St. Jean en Royans &#8211; Seyssel. Zielort: Seyssel. Von dort wieder mit den R\u00e4dern zur\u00fcck nach Genf &#8211; Basel &#8211; Leipzig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schwei\u00df\u00fcberstr\u00f6mt, aber stolz wie Bolle, passieren wir das Ortseingangsschild Lans en Vercors. 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