{"id":132,"date":"2017-09-16T21:18:37","date_gmt":"2017-09-16T19:18:37","guid":{"rendered":"http:\/\/laenderkenner.de\/?p=132"},"modified":"2018-11-26T19:19:14","modified_gmt":"2018-11-26T17:19:14","slug":"kanufahren-auf-dem-allier-und-der-loire","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/laenderkenner.de\/index.php\/2017\/09\/kanufahren-auf-dem-allier-und-der-loire\/","title":{"rendered":"Kanufahren auf dem Allier und der Loire"},"content":{"rendered":"<h2>Das Finden eines Bootsverleihes \u2013 die ticken anders, die Franzosen!<\/h2>\n<p>Mit dem Kanu sollte es dieses Jahr auf der Loire entlanggehen. Sch\u00f6ne Idee und auch ein sch\u00f6ner Urlaub, der aber mit einem kleinen Mentalit\u00e4tsproblem begann. Der Deutsche h\u00e4tte es im Urlaub gern organisiert. Er m\u00f6chte, auch als Individualreisender, wissen, wann er wo ist und dass vor Ort alles f\u00fcr ihn bereit ist. Innerhalb Deutschlands ist dies auch kein Problem. Will man in Mecklenburg-Vorpommern oder sonstwo paddeln gehen, schmei\u00dft man kurz die Suchmaschinen an, ruft bei zwei oder drei Kanuverleihern an und reserviert schlie\u00dflich irgendwo rechtzeitig vor dem Urlaub sein Boot. Man bekommt eine Best\u00e4tigung, macht gegebenenfalls eine Anzahlung, und alles ist save.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>In unserem Nachbarland hingegen tickt man anders. Zum einen fahren die Franzosen w\u00e4hrend ihres Sommerurlaubs gern ans Meer, und wenn sie sportlich aktiv sein wollen, fahren sie dahin, wo alle sind. Also Kanufahren in der Ard\u00e8che, Kitesurfen in Leucate, Radfahren in der Dordogne oder auf Korsika. Unser Vorhaben \u201aPaddeln auf der Loire\u2018 f\u00fchrte zu ungl\u00e4ubigem Staunen bei unseren franz\u00f6sischen Freunden. \u201eDas habe ich noch nie geh\u00f6rt\u201c war die h\u00e4ufigste Reaktion. Allerdings ist das Internet voll mit malerischen Fotos und Tourbeschreibungen, also lie\u00dfen wir uns davon nicht abschrecken.<\/p>\n<p>Durch intensive Recherche fanden wir f\u00fcnf Kanuverleihe auf dem gesamten Streckenabschnitt zwischen Roanne und Nevers. Nennen m\u00f6chte ich hier keinen, da keiner von denen auf E-Mails oder Kontaktformulare reagierte, geschweige denn jemand ans Telefon zu bekommen war. Trotz hartn\u00e4ckiger Versuche \u00fcber mehrere Wochen zu verschiedenen Tageszeiten und Wochentagen &nbsp;hinweg. Lediglich das <em>Bureau des Guides de Loire et Allier<\/em> antwortete und schwieg dann bis zum letzten Tag. Der angek\u00fcndigte Vertrag, die Zusage etc. kamen nie bei uns an. Die Erl\u00f6sung brachte einen Tag vor Start der Tour ein Anruf in der Touristinfo in Nevers. Vom <em>Bureau des Guides <\/em>wurde uns dringend abgeraten und stattdessen der Veranstalter <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/canoeraidaventure\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Canoe Raid Aventure <\/em><\/a> empfohlen. Ein Tipp, der diesen Urlaub ma\u00dfgeblich beeinflussen sollte.<\/p>\n<h2>Von Vichy \u00fcber Billy nach Ch\u00e2tel-de-Neuvre<\/h2>\n<p>Unsere beiden Kanuverleiher&nbsp; Thierry und Claude bildeten ein lustiges franz\u00f6sisches Adventuregespann. Ihr Verleih befindet sich in dem winzigen St\u00e4dtchen <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Cuffy\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Cuffy<\/a>, zwanzig Minuten mit dem Auto von Nevers entfernt. Wir, \u00fcbrigens mit Hund per Bahn unterwegs, wurden von Thierry am Bahnhof abgeholt, sofort freundlich beraten, zum Supermarkt und Bank gefahren. W\u00e4hrenddessen reifte die Entscheidung, nicht die Loire, sondern den Allier zu befahren. Warum? Der Allier ist kleiner, ebenso naturbelassen, und es sind weniger Touristen unterwegs. Ebenso war unsere geplante Route von Roanne bis Never f\u00fcr die 12 Tage viel zu kurz. Au\u00dferdem erz\u00e4hlten uns die beiden, dass so lange Kanufahrten ungew\u00f6hnlich sind. Die meist heimischen oder europ\u00e4ischen Touristen fahren wohl oft nur \u00fcber das Wochenende oder maximal eine Woche.<\/p>\n<p>Also lie\u00dfen wir uns \u00fcberzeugen, liehen das komplette Equipment und packten all unseren Stuff&nbsp; in die Tonnen. Das Boot kostete uns 50 Euro am Tag inklusive Transport, Tonnen, Schwimmwesten und Paddel.&nbsp; Der Preis schien uns ziemlich stolz zu sein, allerdings wurden Anfahrtstag und Abholungstag nicht berechnet. R\u00fcckblickend muss man sagen: f\u00fcr den Service und den weiten Transport war der Preis angemessen.<\/p>\n<p>Thierry fuhr mit uns dann am ersten Tag bis in das gut 130 Kilometer entfernte Vichy. Dort sollte unsere Tour beginnen. In Vichy setzte er uns direkt hinter dem gro\u00dfen Wehr in der N\u00e4he des Einkaufszentrums Carrefour ab und direkt in das Wasser. Der Allier ist ein naturbelassener und unverbauter Fluss. Viele Wehre wurden entfernt, so dass heute wieder Lachse ungehindert den Fluss hinaufschwimmen k\u00f6nnen. Im Juli und August ist das Wasser angenehm warm, was das Be- und Entladen, das Baden ebenso wie m\u00f6gliches Kentern ziemlich angenehm macht. Apropos kentern: Ja, das ist m\u00f6glich, auch wenn der Allier im Durchschnitt nur 50 cm tief ist.<\/p>\n<p>Da wir recht sp\u00e4t einsetzten, begannen wir kurz nach dem Stadtgebiet von Vichy mit der Suche nach einer \u00dcbernachtungsm\u00f6glichkeit. Der Allier ist in diesem Abschnitt ruhig, und es gibt keine Sandb\u00e4nke. Da die Uferb\u00f6schung hier generell ziemlich hoch und das Ufer fast durchg\u00e4ngig bewaldet ist,&nbsp; sollte man nicht allzu w\u00e4hlerisch bei der Suche sein. Wir nahmen schlie\u00dflich eine Kraxelei von gut zwei Metern in Kauf und wurden daf\u00fcr mit unber\u00fchrter weicher Wiese belohnt. \u00dcbrigens ist das Wildcampen in dieser Gegend von Frankreich erlaubt. Da die Campingplatzinfrastruktur zudem ziemlich d\u00fcnn ist, hat man auch kaum eine andere Wahl.<\/p>\n<p>In den folgenden drei Tagen m\u00e4anderten wir flussabw\u00e4rts, vorbei an urwaldartigen Uferzonen, durchbrochen von Kuhweiden, Maisfeldern und Wiesen. Uferschwalben, Flussuferl\u00e4ufer und Graureiher waren von nun an unsere Begleiter. &nbsp;Und es waren auch unsere einzigen Begleiter. In der gesamten Zeit sahen wir genau zwei Angler und drei Boote. Obwohl wir uns Einsamkeit und unber\u00fchrte Natur gew\u00fcnscht hatten, waren wir ziemlich verwundert und begeistert dar\u00fcber, dies in der Art im Zentrum von Frankreich zu finden.<\/p>\n<p>Nach zwei N\u00e4chten Kampierens in der Wildnis erreichten wir schlie\u00dflich Ch\u00e2tel-de-Neuvre. Hier kann man als Wasserwanderer einmal bei Norbert, <em><a href=\"http:\/\/camping-lacourtine.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Cano\u00e9 Camping La Courtine<\/a>,<\/em> oder einige hundert Meter weiter bei Camping de Neuvre seine Zelte aufschlagen. Wir taten dies beim Erstgenannten, ganz einfach weil dieser Campingplatz der erste direkt hinter der Br\u00fccke von Ch\u00e2tel-de-Neuvre war. Au\u00dferdem kann man hier direkt mit dem Boot anlegen und baden. Bis zum Campingplatz sind es aber gut zweihundert Meter \u00fcber eine Wiese, was mit dem Boot gef\u00fchlt immer l\u00e4nger wird. Am anderen Campingplatz hingegen muss man eine gut drei Meter hohe Uferb\u00f6schung \u00fcberwinden, was das Anladen mit dem Boot ebenfalls zum Abenteuer macht. Wir blieben zwei N\u00e4chte beim ersten Campingplatz. Dieser war ruhig, leer, mit angenehmer Wiese, schattig und voller netter Leute. Au\u00dferdem war unser Hund willkommen. Ch\u00e2tel-de-Neuvre ist ansonsten ein franz\u00f6sisches Stra\u00dfend\u00f6rfchen aus dem Bilderbuch mit Brasserie, Bistro, Casino, Tattoo-Shop und dem Restaurant Le Bistro Gourmand. Einen Besuch hier m\u00f6chte ich ausdr\u00fccklich empfehlen. Wer die Chance hat, sollte sich abends einen Tisch auf der Terrasse reservieren und sich von den Men\u00fcs \u00fcberraschen lassen.<\/p>\nngg_shortcode_0_placeholder\n<h2>Von Moulins nach Le Veurdre Appremoint sur Allier nach Forchambault<\/h2>\n<p>Insgesamt blieb es die gesamten restlichen acht Tage fast so einsam, wie sie begannen. Allerdings je mehr wir uns der Loire n\u00e4herten desto zahlreicher wurden die Wasserwanderer. Mehrere Paddelgruppen, die eine Wochentour oder Wochenendtour machten, kreuzten unsere Wege. Allerdings waren es selten mehr als f\u00fcnf Boote am Tag. Der Allier wird in seinem Verlauf breiter und sandiger. Die letzten N\u00e4chte verbrachten wir auf unber\u00fchrten sandigen Sandb\u00e4nken, die ihrem Namen wirklich alle Ehre machten. Der Fluss macht in diesem Abschnitt unz\u00e4hlige Kurven, und ebenso liegen viele B\u00e4ume im Wasser, die das fahren sehr abwechslungsreich gestalten.<\/p>\n<p>Wir erhielten au\u00dferdem von Norbert, dem Campingplatzbesitzer in Ch\u00e2tel-de-Neuvre, noch einige wichtige Hinweise. Unter anderem den: Der n\u00e4chste gro\u00dfe Ort von de Neuvre aus ist Moulins. Bevor man ihn erreicht, durchquert man ein Naturschutzgebiet. Dieses endet kurz vor Moulins. Das Ende des Gebietes ist durch ein Schild gekennzeichnet, welches am linken Flussufer zu sehen ist. Au\u00dferdem durchquert man rot-wei\u00df markierte Stromleitungen. Es kommen auf der Strecke einige Strommasten, und es sind tats\u00e4chlich die letzten Masten weniger als einen Kilometer vor Moulins. Durchquert man diese, hat man nur wenige Flussbiegungen Zeit sich einen Schlafplatz zu suchen.<\/p>\n<p>Weiterer Tipp von uns. Haben Sie nach Moulins mal wieder Lust auf einen Campingplatz. Vergessen Sie es!!! In der n\u00e4chsten Stadt Le Veurdre ist ein Campingplatz verzeichnet. Zu ihm f\u00fchrt laut Google Maps und Open Street Maps ein Kanal. DIESEN GIBT ES NICHT. Halten sie stattdessen direkt nach der Br\u00fccke links (10 m). Dort ist eine Anlegestelle, von der aus man in das D\u00f6rfchen laufen kann. Nur so erreicht man auch den Campingplatz oder in unserem Fall ein Hotel. Der Besitzer des <a href=\"http:\/\/www.hotel-lepontneuf.com\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hotel-Restaurant du Pont Neuf<\/a> (Hunde willkommen) kennt die Sachlage und ist gerne bereit, mit dem Auto das Bootsequipment zu holen. Das Boot selber kann man eventuell beim Kanuclub <a href=\"http:\/\/allierca.cluster013.ovh.net\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Canoe en Terre d&#8217;Allier<\/em><\/a> lassen oder wie in unserem Fall verstecken.<\/p>\n<p>Von Le Veurdre ist es dann nicht mehr weit bis zum sch\u00f6nen Museumsst\u00e4dtchen <a href=\"http:\/\/www.apremont-sur-allier.com\/fr\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Appremoint sur Allier<\/a>. Das sollte man sich unbedingt anschauen. Dahinter gibt es au\u00dferdem eine wundersch\u00f6ne Insel mit Sandbank zum Schlafen.<\/p>\n<p>Bis nach Fourchambault, wo es einen sch\u00f6nen Campingplatz am Wasser gibt \u2013 hier stimmt die Beschreibung mit dem Kanal ausnahmsweise \u2013 ,passiert an sich nicht mehr viel. Der Allier trifft auf die Loire, das Wasser ist dann tiefer, der Fluss breit und die Hindernisse weniger. Ein wunderbarer Ausklang der Tour.<\/p>\n<p>Insofern viel Spa\u00df beim Paddeln!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Finden eines Bootsverleihes \u2013 die ticken anders, die Franzosen! 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