Volcano Baru – von fremden Wandergruppen, und wie man es besser machen kann

Ich mag Wandern. Eigentlich. Aber nach diesem Ausflug hatte ich mehrere Jahre lang keinen Bock mehr auf einen Ausflug zu Fuß. Und das kam so …

Während meines ‚Work- and Travel‘-Aufenthaltes in Panama reiste ich mit meinem dort kennengelernten Kumpel Steffen durch das Landesinnere. Auf Anraten diverser Reiseführer und Einheimischer besuchten wir das wirklich beschauliche Städtchen Boquete in der Provinz Chiriquí. Wir wohnten im besten Hostel am Platze, dem Hostel Mamallena. Lediglich das Wetter ließ uns ein bisschen im Stich. Man kann in Boquete zwar einiges unternehmen, wie zum Beispiel eine Kaffeeplantage anschauen, einen Vulkan besteigen, Wildwasserrafting oder einen Kletterwald besuchen. Allerdings waren wir alle beide keine Fans von Rafting und Co., also entschieden wir uns unter anderem für die Wanderung auf den Volcano Baru. Dieser ruhende Vulkan ist mit 3477 Metern zugleich der höchste Berg Panamas. Und außerdem hat man vom Gipfel aus die Chance, gleich zwei Ozeane zu sehen. Solche Orte gibt es nicht viele auf der Welt. Will man diese Chance haben, sollte man zum Sonnenaufgang, gegen 5.30 Uhr, auf dem Gipfel sein, denn dann hat man oft die beste Sicht.

Die Vorbereitungen für den Aufstieg

In unserem Hostel beschrieb man uns die Tour als sehr schön, anstrengend und empfahl sie uns als Tagesausflug. Wir sollten uns in der Nacht gegen 22 Uhr losmachen, um rechtzeitig den Gipfel zu erreichen. Aber wir sollten auf jeden Fall Bescheid geben, wann wir die Tour machen, damit jemand schaut, dass wir auch wiederkommen. Machte uns das stutzig? Nein! Außerdem bekamen wir von jedem, den wir  fragten, eine andere Wegbeschreibung. Machte uns das nervös? Aber nicht doch. Auf jeden Fall sollten wir aber pro Person vier Liter Wasser, Taschenlampen sowie Snacks und Essen für zwei Tage einstecken. Brachte uns das zum Nachdenken? Ach wieso denn! Ein Guide wurde uns empfohlen, aber es ginge auch so. Na dann!

Um auf den Berg zu kommen, lässt man sich am besten mit dem Taxi bis zum Eingang des Nationalparks fahren. Man hatte uns gesagt, er sei immer offen, was sich zumindest heute bestätigte. Von da an ist man auf sich allein gestellt. Wir bekamen von unserem Taxifahrer noch die fünfte Wegbeschreibung, der wir neugierig lauschten. Kartenmaterial war zu dem Zeitpunkt nicht zu bekommen, und Handys besaßen wir nicht. Laut der vielen Beschreibungen gab es eigentlich nur einen Weg, den man auf keinen Fall verlassen sollte. Na dann, auf ging’s.

Der Weg zu Gipfel des Baru

Der „Weg“ zum Gipfel ist ungefähr 14 Kilometer lang. Der „Weg“ beginnt am Eingang des Nationalparks auf einer Höhe von 1800 Metern über dem Meeresspiegel. Tatsächlich kann man sich nicht verirren, wenn man auf dem „Weg“ bleibt. Es gibt nur diesen einen. Das waren die guten Nachrichten.

Der „Weg“ entpuppte sich bereits nach wenigen hundert Metern allerdings als eine sportliche Mischung aus altem Flussbett, Panzerstraße und Geröllhalde. Metergroße Brocken Gestein, Schlammlöcher, Reifenspuren und immer wieder Geröll machten ein Wandern, wie es der zarte Mitteleuropäer kennt, unmöglich. Parallel zu den widrigen Bedingungen starteten wir  in der Nacht. Das hieß, dass es am Berg und im Wald dunkel wie in einem Bärenarsch war.  Gedanken, wie: „Hier ist weit und breit niemand“, „Wir stolpern mitten in der Nacht einen Berg hinauf“, „Wir sind bereits in 2000 Meter Höhe“ und „Auch im Notfall muss ich das alles wieder herunterlaufen“, gingen mir durch den Kopf. „Gibt es hier eigentlich Raubtiere?“ – „Hm… Keine Ahnung“. Man muss also über ein reichlich fröhliches und ausgeglichenes Gemüt verfügen, um diese Wanderung zu machen. Zum Glück hatten wir das.

Blick vom Baru auf den Atlantik, die Karibik

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Hat man sich, wie wir, damit abgefunden, trottet man dann mit der Taschenlampe in der Hand durch die Nacht. Abzweigungen vom Weg gab es tatsächlich nicht. Nach jedem Kilometer tauchte aus dem Nichts ein Schild auf, das über die Wegstrecke Auskunft gab. Was aber neben der Anstrengung richtig ätzte, war, dass man keine Möglichkeit hatte, sich auszuruhen. Der in „Jack Wolfskin“-Klamotten verpackte Wanderer aus Europa kennt sicher Schutzhütten, Unterstände oder Sitzbänke. Leider gibt es das in Panama nicht. Am Baru hieß das konkret: sitzen auf kaltem, nassem Stein oder nassem Gras. Ausruhen? Fehlanzeige!

Während sich die Wegstrecke immer weiter zog, fragte ich mich, wofür ich das alles machte. Und die Frage ist berechtigt. Denn als die Stunden verronnen waren und der ersehnte Ausblick nahte, bemerkte ich, dass irgendein Wahnsinniger den Gipfel mit Antennen und Abhöranlagen  zugebaut hatte. Wuhuu! Großes Kino. Schade um das schöne Panorama. Außerdem hämmerte es schmerzvoll in meinem Kopf, denn in dieser Höhe muss man mit Höhenkrankheit rechnen. Aloha! In der Ferne glaubte ich andere Wanderer zu entdecken. Wie sich herausstellte, sah ich als einziger diese fremde Wandergruppe und musste schleunigst halluzinierend den Gipfel wieder verlassen. Also schnell ein paar Fotos machen. Ozeane schauen und wieder runter.

Und dann begann die eigentliche Qual: Der Abstieg!!! Jeder, der behauptet, dass dieser weniger Zeit in Anspruch nimmt als der Aufstieg, lügt! Ohne ein Ziel vor Augen stolpert man diesen „Weg“, diese Realsatire eines Wanderweges, diese knochenbrechende glitschige Rutschbahn hinunter und fängt, an die Welt zu hassen.

Ich wollte nur noch „nach Hause“. Stattdessen schlurften wir Kilometer um Kilometer, Stunde um Stunde, ohne dem Ausgang des Parks näher zu kommen. Vergessen waren die Glücksgefühle des Gipfelsturmes – die Füße taten weh, wie ich es nicht für möglich gehalten hatte.

Schließlich sind es knapp 27 Kilometer Strecke, die man in dieser einen Nacht und an einem Tag laufen kann, aber auf keinen Fall muss.

Was kann man besser machen?

Was kann man besser machen? Auf jeden Fall sollte man für diesen Trip zwei Tage und eine Nacht einplanen. Es gibt in der Nähe des Gipfels Wiesen, auf denen man campen darf. Das sollte man auf unbedingt tun. Dann am nächsten Morgen frisch auf den Gipfel und dann wieder absteigen. So wäre es eine schöne Wanderung.

Und wir? Nach circa 18 Stunden wandern waren wir wieder im Hostel. Die Rezeption machte sich schon Sorgen um uns. Wir hatten den Muskelkater unseres Lebens und waren mehr froh, wieder heil unten angekommen zu sein, als glücklich darüber, zwei Ozeane auf einmal gesehen zu haben …

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