Madeira: Über Fels und Klippe

Madeira besitzt den Spitznamen „Blumeninsel“. Wenn man im Oktober dorthin fliegt, ist von den Blumen leider nicht mehr allzu viel zu sehen. Unwahrscheinlich grün ist die Vulkaninsel trotzdem. An manchen Küstenstreifen waren am Meer sonnige 30 Grad, an manchen bewölkte 25 Grad und fuhr man im ersten Gang immer steilere Straßen bergauf, versank man in Nebel- und Wolkenfeldern, in denen man besser eine Jacke anzog. Trotzdem: Wer kann von sich behaupten, schon einmal Wolken berührt zu haben?

Der neueste Trend des Actionsports ist Canyoning. Madeira liebt Actionsport, also auch Canyoning. Über 300 Routen werden hier angeboten, über Stock und Stein, durch Flussbett und Schluchten. Wir entschieden uns nach einigem Zögern mancher Reisemitglieder dazu und buchten einen Einsteigerkurs der RMK-Tours. Die Gruppengrößen werden dabei immer recht klein gehalten – in unserem Fall waren wir zu acht – weswegen man vorher reservieren sollte.

Die Tour begann früh am Morgen. Man kann entweder von der Unterkunft abgeholt werden oder selbst zu einem Treffpunkt in der Nähe von Funchal anreisen. Von dort fahren alle zusammen höher und höher, dorthin, wo die Straßen zu Wegen werden. Angekommen an einer kleinen Hütte, werden Neoprenanzüge und –schuhe, Helme, Gurte und Seile verteilt. Vorher Gewicht und Größe angegeben, waren diese schon mit unseren Namen beschriftet und zugeteilt. In der Frühe zeigte sich Madeira noch von seiner kühlen, feuchten und kalten Seite – in die Anzüge zu steigen war vorerst kein Vergnügen. Doch tatsächlich, einmal hineingeschlüpft hielten sie jeden von uns schön warm.

Nun begann der Weg zum Start unserer Canyoning-Tour. Erste Schritte im Wasser, zaghaftes Springen von Stein zu Stein. Die beiden Guides gaben uns vom ersten Moment an ein sicheres Gefühl, kümmerten sich, hielten Hände, warnten vor glitschigen Stellen und zeigten uns das anzuwendende Signal, dass alles gut sei: mit zwei Fingern auf den Helm klopfen. Gimmick: Sie machten bei fast allen Stationen Fotos von uns. Schnell wurde das Wasser tiefer und der erste Abhang erschien vor unseren Augen. Hier sollten wir uns abseilen? Angst in den Augen mancher, Vorfreude in anderen. Doch auch hier wurde alles genau und doppelt erklärt (in Englisch) sowie vorgeführt. Nach und nach hingen wir alle in den Seilen und liefen die steile Wand hinab. Es folgten Sprünge und Rutschen ins Wasser bei denen schließlich keiner mehr umhin kam, komplett nass zu sein. Und ehrlich: Je nasser wir waren, desto wärmer wurde es. Das Springen von Stein zu Stein war nicht mehr zaghaft, sondern leichtfüßig und zügig. Jeder war gespannt darauf, welche Station als nächstes kam.

Mehrere Schluchten seilten wir uns ab, kletterten an Steinstufen hinunter, bespritzen uns mit Wasser … Nach drei Stunden schließlich war jeder enttäuscht, dass es schon zu Ende war. Das Flussbett verlassend, gingen wir im Wald wieder zurück zu der kleinen Holzhütte. Wie war das plötzlich kalt, als wir unsere Anzüge auszogen. Und doch war jeder glücklich, diese Tour gemacht zu haben, einige redeten schon vom Fortgeschrittenenkurs. Nach gereichtem Wasser und Snack wurde es stiller im Auto. Die durch das Adrenalin verdrängte Anstrengung machte sich nun bemerkbar. Und schließlich verabschiedeten wir uns alle am morgendlichen Treffpunkt wieder angekommen – mit dem Klopfen der zwei Finger auf den Kopf.

(Text: Anne-Marie Holze)

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